Essaouira – die Stadt der Winde

Während meines Aufenthaltes im letzten März in Marrakesch, wollte ich einen Tag mal an den Atlantik fahren. Genauer gesagt nach Essaouira. Mit der marokkanischen Busgesellschaft Supratours funktioniert das auch einwandfrei. Nimm dir einfach ein ‚Petit Taxi‘ und lass dich zur Bushaltestelle ‚Supratours, la Gare‘ fahren. Der Fahrpreis wird auch hier wieder verhandelt und bis Mittag solltest du ab dem Djemaa el Fna nicht mehr als 20-25 Dirham bezahlen. Am Abend sind 30-35 Dirmham ok. Direkt am Busbahnhof kannst du dir ein Ticket mit dem Bus nach Essaouira kaufen. Ich hab mir auch gleich für den Abend das Rückfahrticket gekauft. Es gibt einmal den normale Bus (70 Dirham, ca. 6,50 Euro) und einmal eine erste Klasse Bus (100 Dirham, ca. 9 Euro). Dieser ist mit komfortablen Sitzen und W-Lan ausgestattet. Den aktuellen Fahrplan kannst du auf der Homepage von Supratours ansehen. Ach ja, auf jedem Ticket steht eine Nummer für den Sitz der dir im Bus zugeordnet ist.

Also gut, Ticket gekauft und los geht die 3-stündige Fahrt mit einer kurzen Pause. Als wir aus Marrakesch raus sind, fährt man erstmal durch kilometerlange Olivenbaumplantagen und langsam wird das Land schroff und wandelt sich in eine Geröllwüste. Auf der linken Seite kann man das Atlasgebirge gut sehen und im März liegt da noch immer Schnee auf den Bergspitzen. Der höchste Berg im Atlasgebirge ist der Jbel Toubkal und ist 4167 Meter hoch. Bei angenehmen 25 Grad ist allerdins T-Shirt angesagt.

Je näher wir an das Meer kommen, umso grüner wird das Umland und ich habe das Gefühl durch die Toskana zu fahren. Nur mit dem Unterschied, dass in jedem Dorf ein weißes Minarett sich gen Himmel streckt und nicht ein Kirchturm 🙂 Entlich sehe ich auch mal die für Marokko berühmten Arganbäume aus dessen Früchten das Öl gewonnen wird. Und ich sehe auch die nicht weniger bekannten Ziegen in den Bäumen die sich die Arganfrucht schmecken lassen. Leider bleibt der Linienbus nicht für Fotos stehen. Wer das möchte, soll sich besser eine Tour mit einem Führer buchen oder ein Auto mieten.

Und dann, kurz noch über einen Hügel und das Meer ist da 🙂 Ich war zwar die letzten beiden Jahre direkt am Atlantik auf dem Jakobsweg in Spanien gepilgert, allerdings war es mir damals viel zu kalt um baden zu gehen. Das Wasser fasziniert mich schon sehr und ich glaube, deswegen hab ich auch aktuell eine Wohnung mit Blick auf den Bodensee.

In Essaouira angekommen, laufe ich links parallel zum Meer Richtung Hafen. Durch das Tor ‚Bab Sbaa‘ komme ich in die Medina von Essaouira. Als erstes habe ich mir den Place Moulay el Hassan angesehen und hab mich einfach entlang der Stadtmauer durch die Medina treiben lassen. Ein Berber der mir unbedingt seine Shop zeigen wollte, erklärte ich, dass ich großen Hunger habe. Er nahm mich dann einfach an der Hand und zog mich durch die Gassen, bis wir vor einem winzig kleinen Restaurant standen. Einem Freund, wie er mir erklärte, gehört dieses Restaurant. Im Erdgeschoss war die Küche die kaum größer war wie meine Speisekammer. Im ersten Stock konnte man drinnen sitzen und im zweiten Stock gab es einen kleinen Balkon. Leider nicht mit Meerblick, aber ich konnte die Möwen und das Meer hören. Vermutlich wäre es mir eh zu windig gewesen. Ich bekam dann sehr zügig meine vegetarische Tajine und ich muss sagen, es ist die beste die ich je in meinem Leben gegessen habe. Keine Ahnung wie er sie gewürzt hat, aber ich hoffe, dass ich im nächsten November dieses Restaurant wieder finde. Einfach nur köstlich. The best Tajine ever, ever…

Aber nun weiter. Essaouira ist auch den Beinamen ‚Stadt der Winde‘ und es ist wirklich windig 🙂 Für Surfer und Kiter ein wahres Paradies hier.  Ich mag ja Wind und heute ist es wirklich warm und dadurch sehr angenehm. Es ist auch möglich, hier als Tourist am Strand zu baden, aber ich stürze mich an diesem Tag nicht in den Atlantik. Nur meine Füße dürfen baden gehen 🙂

Essaouira ist in der Neuzeit bekannt geworden, da auch schon Jimi Hendrix 1969 hier zu Besuch war und aktuell auch als Drehort für die ‚Game of Thrones‘ Serie dient. Geschichtlich wurde die Stadt des Windes von den Phöniziern unter dem Namen Migdol im 7. Jahrhundert v. Chr. gegründet. Für sie war  die in der Bucht gelegene Insel ‚Islas de Mogador‘ der äußerste Außenposten der antiken Welt. Später herrschten hier die Puniern und dann die Römer. Zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert schlossen sich mehrere regionale Berberstämme der Herrschaft der arabischen Umayyaden an, die auch den Süden Spaniens beherrschten. Im 11. Jahrhundert, der Zeit der Almoraviden, integrierte Yusuf ibn Taschfin, der Gründer von Marrakesch, die Region um Essaouira in sein Reich. In den folgenden Jahrhunderten eroberten die Portugiesen das Gebiet und dann auch die Saadier und Alawiden. Da Essaouira ein wichtiger Knotenpunkt für den Karawanenhandel aus Timbuktu war, hatte diese Stadt natürlich einen hohen Wert für die jeweiligen Herrscher.

Ein Spaziergang durch den Hafen empfehle ich jedem. Man erblickt dann die wunderschöne Festungsmauern die Essaouira umgibt und man kann die Fischer im Hafen beobachten wie sie ihren Fang einbringen, den Fisch feilbieten und die Katzen und Möwen mit den Fischresten füttern. Marokkaner mögen Katzen sehr gerne und die Fischabfälle sind ein gefundenes Fressen für die schnurrenden Tiger 🙂 Die kreischenden Möwen und die traditionell blauen Fischerboote lassen mein Herz auch höher schlagen, da sie wunderschönen Fotomotive bieten. Ich selber esse ja vegetarisch, aber hier sehe ich, dass diese Fischer nicht für die Überfischung des Meeres verantwortlich sind und nur ihre Familien von einem Tag zum anderen mit ihrem Auskommen durchbringen. Deswegen habe ich mich auch entschieden die Bilder hier zeigen.

Ich schlendere nochmals durch die Medina, und hier sieht man zu den mir schon aus Marrakesch bekannten Waren auch viele Kunstgalerien. Viele Künstler und Aussteiger haben sich hier in Essaouira niedergelassen und es ist noch ein gewisser Hippie Flair erhalten geblieben. So empfinde ich es jedenfalls. Am Abend fahre ich wieder mit dem Bus zurück nach Marrakesch und dieser Ausflug hat mir sehr gut getan. Essaouira ist eine sehr entspannte Stadt. Trotzdem liebe ich auch den Trubel in Marrakesch. Für nächsten November habe ich schon geplant für zwei Tage zurück zu kehren und freue mich schon sehr darauf. Dann kann ich auch den Sonnenuntergang am Meer genießen 🙂

 

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