Marokko im September – Tag 2

Ich werde von Vogelgezwitscher und dem rauschenden Meer früh am Morgen geweckt. Es gibt wirklich schlimmere Arten auf zu wachen 🙂 Ich bleibe noch lange im Bett und plane meinen Tag. Heute bleibe ich in Rabat. Um 10.00 Uhr gehe ich los und fahre mit der Tram zur Station „Medina Rabat“. Vorbei an Art Deco Häusern aus der Protektoriatszeit, gehe ich die Avenue Mohammed V in Richtung Bahnhof „Rabat Ville“ entlang. Das Postamt ist hier sehr schön. Es gibt auch ein Museum dazu, allerdings bin ich nicht ein wirklicher Museumsgänger. Die Avenue teilt sich und in der Mitte ist ein schöner Park mit einen Springbrunnen am Ende installiert. Von weiten kann ich schon das Minarett der Assounna Moschee sehen. Sie ist nach dem Vorbild der Koutoubia Moschee in Marrakesch erbaut worden. Ich gehe aber nicht auf direkten Weg zur Moschee, sondern biege leicht rechts nach dem Bahnhof ab. Ich möchte zum Bab Rouah. Das ist eines der wunderschönen Tore in der Stadtmauer. Ich habe auch Glück und habe das Tor ganz für mich alleine um zu fotografieren und zu filmen. Weiter geht es in Richtung der Moschee auch hier ist wieder ein Stadttor, das Bab Soufara, das auch von Polizei bewacht ist. Es ist nämlich einer der Zufahrtsstraßen zum Königspalast und es wird kontrolliert wer hier Zufahrt hat. Zu Fuß wird aber jeder zugelassen. Beim Fotografieren muss ich aber aufpassen, keinen der Polizisten darf abgelichtet werden. Der Königspalast ist aber nicht mein Ziel, sondern nachdem ich die vorhin erwähnte Moschee Assounna passiert habe, laufe ich in der Sonne zur Nekropole Chellah. Ich habe meine Sonnencreme im Apartment liegen lassen und werde dies auch noch büßen…

Der Zugang zur Chellah führt mich durch ein monumentales steinernes Portal aus dem 14. Jahrhundert. Am Eingang bezahle ich 10 Dirham für den Eintritt. Wer einen Führer möchte kann hier auch einen finden. Ich verzichte allerdings, da ich mich eher gestresst fühle jemanden bei mir zu haben. Ich möchte selber entscheiden wann ich wo weiter gehe. Durch einen Park aus Bäumen, Blumen und Büschen entlang, komme an den Resten der römischen Siedlung Sala Colonia an. Diese wurde 1930 freigelegt. Die wenigen erhaltenen Steinreihen von Wohnhäusern und Handelsgeschäften lassen den Weg erahnen der zum einstigen Hafen führte. Diese endet an einem Triumphbogen, von dem nur die Fundamente erhalten sind. Daneben befindet sich die ab dem Ende des 13. Jahrhunderts eingerichtete Nekropole (Totenstadt) in der mehrere merinidische Sultane und islamische Heilige begraben wurden. Hier steht ein gut erhaltenes Minarett mit Rautenmustern und Resten von Mosaikfliesen, das zu einer Moschee mit angrenzender Madrasa (alte Koranschule) gehört. Mittlerweile hat sich einer der Gärtner mir angeschlossen. Er ist sehr freundlich und zeigt mir auch die abgesperrten Orte. So entstehen auch einige tolle Bilder und ich bin ihm sehr dankbar das ich ihm auch gerne am Schluss mit einigen Dirham begleiche. In und um der Chellah nisten auch viele Klapperstörche. Sie scheinen sich hier sehr wohl zu fühlen 🙂 Auch die vielen Katzen werden hier gerne gesehen. Es sind keine Hauskatzen und so manch eine bräuchte für den Schnupfen einen Tierarzt. Sie werden von den Gärtner, den Wachleuten und einer alten Frau gestreichelt und mit Futter versorgt. Eine kleine Katze schleicht sich nicht nur auf meinen Schoß sondern auch in mein Herz. Am liebsten würde ich sie nach Hause mitnehmen, aber das geht leider nicht…

Mit einem Taxi fahre ich zur Kasbah. Ich war gestern schon hier, allerdings ist es schon nach Mittag und ich möchte mich etwas ausruhen. Ich gehe zum andalusischen Garten, denn dahinter versteckt sich das Café Maure. Auf dem Weg dahin werde ich doch tatsächlich von einem Faux Guide in die Irre geführt. Als er mich zu einem komplett anderen Café bringt kann ich nicht mehr an mich halten und werde echt stinkwütend und lasse das auch verbal raus. Ich habe ihm die ganze Zeit gesagt, dass ich zum Café Maure möchte und nicht irgendwo anders hin. Zudem, dass ich Probleme mit meinem Zucker habe, da ich Diabetikerin bin und ich mich nicht wohl fühle. Wurde einfach alles komplett ignoriert. Und sowas bring mich zur Weißglut. Wütend lass ich ihn stehen und gehe zur Aussichtsplattform der Kasbah. Hier beruhige ich mich wieder und versuche mein Glück erneut das Café zu finden. Als ich los gehe, sehe ich sofort, dass mich wieder ein junger Mann abpassen möchte. Erst lehne ich dankend ab, er ist aber so hartnäckig das es mich schon wieder sauer macht und er der zweite ist den ich ärgerlich anschnautzen muss. Schließlich und endlich finde ich das lang gesuchte Café und werde mit einem wohltuenden Minztee und marokkanischen Gebäck empfangen. Hier habe ich einen wunderschönen Blick zum Meer und zu der gegenüberliegenden Stadt Salè. Ich lege die Beine hoch, relaxe und lese in meinem Buch. Hier ist es wirklich gut die Zeit verstreichen zu lassen. Nach über einer Stunde gehe ich aber dann doch los. An der Marina esse ich noch. Das Essen ist hier sehr europäisch geprägt mit diversen Pannini, Nudeln oder Omeletts. Entlang der Marina gelange ich zum Hassan Turm und dem Mausoleum  Mohammed V.

Der Hassan Turm (das Wahrzeichen von Rabat) ist das unvollendete Minarett der ebenfalls unvollendeten großen Moschee. Der durch den Almohaden Herscher Ya’qüb al-Mansür  initierte Bau wurde gegen Ende des 12. Jahrhunderts begonnen. Nach dessen Tod wurden die Baumaßnahmen für immer eingestellt. Die große Moschee von Rabat hätte mit ihren Dimensionen alle anderen Moscheen des Maghreb klar übertroffen. Die Moschee hätte mit den Grundmauern von ca. 180 x 139 Metern Platz für etwa 50.000 Gläubige geboten. Das Minarett mit seinen 16 x 16 Metern Seitenlängen hätte über 80 Meter hoch werden sollen. Seine heutige Höhe beträgt jedoch „nur“ 44 Meter.

Gegenüber des Hassan Turmes ist das Mausoleum von Mohammed V. Ebenfalls liegen hier seine beiden Söhne, der spätere König Hassan II und Prinz Abdallah. Erbaut wurde es zwischen 1962 und 1971. Seit Oktober 1971 liegen hier die sterblichen Überreste von Mohammed V (1909 – 1961) die Tag und Nacht von Wachposten in altmaghrebinischer Uniform bewacht werden. 1999 wurde König Hassan II hier ebenfalls beigesetzt. Über die sehr breiten Treppen aus Marmor gelangt man zu dem Innenraum des Mausoleums. Dieser ist mit reichlichen Mosaiken geschmückt. Die Kuppeldecke ist geschnitzt und mit Blattgold vergoldet. Rund um den reich verzierten Grabraum verläuft eine Galerie, von der aus auch Touristen den Raum besichtigen können.

Das weitläufige Areal lädt zum verweilen ein. Aber irgendwann reiße ich mich doch los und fahre mit der Tram, die nur 6 Dirham kostet, nach Hause. Noch ein kurzer Stop im Carefour für ein kleines Abendessen. Morgen gehe ich über den Fluß Bou Regreg nach Salè.

 

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