Von Störchen und alten Gemäuern

Hast du dich als Kind auch gefragt, wohin die Störche im Herbst fliegen? Als ich mich schon. Wenn ich mich richtig erinnere, erklärte mir meine Mama, dass die nach Afrika fliegen. Dort sei es wärmer als im kalten Österreich. Der Klapperstorch der uns die Kinder bringt, zieht also in ein Sommerdomiziel weit weg. Wo und wie dieses ‚weit weg‘ aussieht, konnte ich mir nicht vorstellen. Zudem gab es damals ja noch kein schlaues Internet, dass mir und dir die Welt heute zu Füßen legt.

In meinen Urlaubsvorbereitungen für den März sagte mir mein schlauer Reiseführer, dass es in Marrakesch ganz viele Störche gibt. Besonders gut zu sehen im Palais el Badi. Der Palais el Badi wurde zwischen 1578 und 1608 ließ der mächtige Saadier Sultan Ahmed el-Mansour der sich selbst ‚der Prächtige‘ nannte, erbauen. Der Palast sollte durch Größe und Schönheit sich von allen Bauten abheben. Er nannte seinen Palast El-Badi, ‚die Unvergleichliche‘. Mit Gold aus Timbuktu, verschiedensten Edelsteinen, handgemalten Kacheln, kunstvollen Mosaiken und geschnitzten Türen aus Zedernholz ließ er ihn verziehren. Heute ist diese Pracht leider nur noch zu erahnen, denn nur knapp 100 Jahre existierte der Palast in dieser Form. Der Alaouiten-Herrscher Moulay Ismail wollte seine Residenz nicht in Marrakesch haben, sondern ließ einen Palast in Meknès erbauen. Heute sind nur doch die Grundmauern aus Lehm und die Mosaikkacheln am Boden zu erkennen. Trotz alledem ist der Palast immer noch sehr beeindruckend, alleine schon durch seine gigantische Dimensionen. Im Innenhof (135 x 110 Meter) sind um ein riesiges Wasserbassin (90 x 20 Meter) vier Gärten eingelassen, in den Orangen- und Olivenbäume wachsen. Und nicht zu vergessen die Störche 🙂 Diese nisten auf den alten Lehmmauern und klappern auch schon mal ganz kräftig. Von einer Terrasse im Palast kann man sie sehr gut beobachten und natürlich auch fotografieren.

Nun weißt du woher die Babys,… ähhh Klapperstörche kommen. Aus Marrakesch 🙂 Was ich bis dahin nicht wusste, Störche können nicht schwimmen. Wenn sie also bei ihren Flügen über das Mittelmeer von Afrika nach Europa (oder in die andere Richtung) fliegen, können sie nicht einfach eine Pause auf dem Wasser machen. Ihre bevorzugte Route ist deshalb auch über das Festland bis zur Meerenge von Gibraltar. Hier setzten sie jeweils mit ihren Flügeln auf den anderen Kontinent über. Ihre Kräfte müssen sie dazu ganz genau einteilen. Das ist schon beeindruckend.

 

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