Mein Diabetes und ich – eine Beziehung die nun schon 10 Jahre besteht

Alles verändere sich an einem Freitag

Der 15.02.2008 war ein Freitag der alles in meinem Leben veränderte. Ich war 25 Jahre alt und erst seit einem Jahr in meiner ersten eigenen kleinen Mietwohnung in Dornbirn. Ich hatte damals viel Spaß und ging oft und gerne mit meinen Freunden aus. Damals war es das Lokal der „Grüne Pavillion“ in dem ich neben meiner Arbeit oft anzutreffen war. Seit fast einem Jahr viel auch mir meine körperliche und zuweil auch psychische Veränderung an mir auf. Später erfuhr ich, dass sich auch meine Freunde Sorgen um mich machten, denn ich wurde immer dünner und dünner. Viele glaubten schon ich hätte eine Essstörung, was ja auch irgendwie zu traf. Ich aß nämlich Unmengen an essen und noch mehr trank ich Wasser. Kurz vor meiner Diagnose bis zu sieben Liter am Tag! Zudem ging ich alle 2-3 Tage einkaufen und kam immer mit zwei randvollen Einkaufstaschen nach Hause. Wie schon erwähnt wohnte ich alleine und so ist es auch niemanden aufgefallen, was ich da so alles vertilgte. Ich futterte in rauen Mengen Nudeln, Reis, Trauben, Nektarinen, Bananen, Käsespätzle, Brot mit viel Marmelade oder Nutella, Eiscreme, Schokolade, Kekse und vor allem trank ich literweise Fruchtsäfte. Im Büro musste immer der Wasserspender daran glauben, da spätestens alle drei Tage der 15 Liter Behälter alleine von mir ausgetrunken war. Nachts musste ich durch diese immense Wasserzufuhr natürlich auch dementsprechend oft auf die Toilette um Wasser zu lassen. Noch während ich im Badezimmer war, schüttete ich ein Glas Wasser in meine staubtrockene Kehle. Glaub mir, ich weiß wirklich was es heißt durstig zu sein. Trotz der rauen Mengen die ich an Essen zu mir nahm, ging meine Kilos runter. Das gefiel mir natürlich, denn schon als Kind wurde ich wegen meines  Gewichtes gemobbt. Ich hasste meine Schulzeit deswegen. Also gut, die Kilos gingen runter und die Männer fingen an mir nach zu pfeifen. Was für ein tolles Gefühl!!! 🙂 Aber gleichzeitig ging es mir auch nicht gut. Warum hatte ich nur immer dieses taube Gefühl in den Zehen und wieso sind meine Fingerkuppen andauernd offen? Wieso gehen mir meine Haare aus und verdammt nochmal, wieso bin ich so leicht reizbar? Ich ignorierte alle diese Symptome, weil ich endlich total einfach abnehmen konnte. Klar war das geil, aber im nachhinein hat es mich fast umgebracht. Du magst dich jetzt vielleicht fragen, wieso meine Eltern sich nicht sorgten. Natürlich haben sie das, allerdings welche Mama oder Papa möchte es wahr haben ein krankes Kind zu haben? Deswegen haben wir alle diese Symptome auf die Seite geschoben und ich auch meinen unbändigen Hunger verheimlicht.

Woher kommt der Hunger und Durst?

Wenn die ersten der oben genannten Symptome sich zeigen, sind bereits 80% der Insulin produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört. Wohlgemerkt bei Typ 1 Diabetikern. Jeder Mensch benötigt das Hormon Insulin zur Verstoffwechselung von Zucker in Energie. Genauer gesagt ist das Insulin der Türöffner zu den Mitochondrien (Kraftwerke der Zellen). Wenn das Insulin allerdings weniger oder gar nicht mehr produziert wird, bleibt der ganze Zucker der durch die Nahrung aufgenommen wird im Blut. Wenn du viel Zucker in Wasser gibt’s wird die Flüssigkeit dicklich und immer zäher. Genau das passiert dann mit dem Blut. So kann auch der Sauerstoff der mit dem Blut transportiert wird nicht in jede Zelle geraten, weil das Blut zu dick wird. Somit werden Zellen unterversorgt und können auch absterben. Das bekannteste Symptom dafür sind die tauben Zehen. Im schlimmsten Fall sind die feinen Äderchen um das Herz, die Nieren oder Augen auch betroffen und somit entstehen auch hier Organschäden. Das ist natürlich auf den ganzen Körper anwendbar. So, jetzt glaubt also unser Gehirn „ich brauche Zucker um arbeiten zu können“ also essen wir, aber dieser Zucker kann ja nicht verarbeitet werden. Allerdings haben wir ja Energiereserven in Form von Fett an unserem Körper. Dieses Fett wird wieder in Zucker umgewandelt und sollte den Zellen als Nahrung dienen, aber es fehlt ja das Insulin. Das ist der Grund warum Diabetiker trotz des vielen Essens sehr schnell an Gewicht verlieren können. Die krux an der Geschichte ist, wenn 24/7 der Fettstoffwechsel arbeitet, bilden sich als Abfallprodukte Ketonkörper. Diese vergiften den Körper und wenn das nicht behandelt wird, stirbt man früher oder später. Zeitgleich versuchen unsere Nieren den überschüssigen Zucker aus dem Körper zu befördern. Bei einem erhöhten Blutzuckerwert setzt die sogenannte „Nierenschwelle“ ein. Es wird also mehr Harn produziert was gleichzeitig den Körper austrocknet und bei Durst lässt es sich leicht trinken. Ich habe damals auch nie ohne Wasserflasche aus dem Haus gehen können bzw bin ich immer davor noch auf die Toilette gegangen. Die ersten paar Jahre nach meiner Diagnose konnte ich dieses Ritual auch nicht abstellen, einfach weil ich mich schon so sehr daran gewöhnt hatte.

Erst letzte Woche hat sich meine Diagnose Datum zum 10. Mal gejährt. Ich bezeichne es jedes Jahr als meinen Geburtstag. Ich bin auch im Augenblick das erste Mal auf Reha in einer Klinik, die sich auf Diabetiker und Stoffwechselerkrankungen spezialisiert hat. Mein Glück ist, dass ich nicht schon als Teenager diese Krankheit hatte, denn ich glaube, dass es besonders in der Pubertät anstrengend ist. Die Hormone spielen verrückt und diese wirken sich auch direkt wieder auf den Diabetes aus. Alles steht auf Rebellion und wird folglich auch verweigert. Ich kann größtenteils recht versöhnlich mit meinem Diabetes co-existieren. Ich gebe mein bestes und dafür lässt er an mir auch nicht immer seine Laune aus. Was ich gar nicht hören kann, ist das manche ihren Diabetes „die Diabetes-Sau“ oder ähnlich nennen. Diese Negativität zu etwas das direkt mit mir lebt und ich tagtäglich bei mir trage kann und will ich nicht akzeptieren.

Ich versuche weiterhin hier auf meinem Blog auch über Diabetes zu schreiben. Wenn du irgend etwas genauer wissen möchtest, dann schreibe mir das doch bitte einen Kommentar.

Bis dahin ❤

Julia

PS: Anbei noch zwei Bilder aus der Zeit als ich vor 10 Jahren im Krankenhaus war. Und jaaa, das bin tatsächlich ich.

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