Diabetes Dschungel – immer diese Verwechslungen

Diabitis, oder wie heißt das nochmal?

„Oh, du hast Diabetes? Hast du diesen schweren und musst du spritzen? Meine Oma musste das nicht, die hat nur keinen Zucker essen dürfen. Ich könnte mir nicht selber die Spritze in den Bauch jagen“.

So oder so ähnlich erlebe ich es immer wieder, dass auf meine Krankheit Diabetes mellitus Typ 1 reagiert wird. Normalerweise reagiere ich auch ganz entspannt und erkläre wie sich der Typ 1 vom Typ 2 unterscheidet, aber manchmal strengt es auch einfach nur an. Speziell wenn ich noch in einem Hypo (Unterzuckerung) drinnen hänge…

Zu Beginn meiner Diabetiker-Laufbahn im Frühjahr 2008 war ich noch sehr darauf bedacht, dass auch ja niemand im Restaurant etwas mitbekommt. Um mir eine Insulin-Injektion mit dem Pen zu geben, ging ich dazu auf die Toilette. Wenn dann jemand rein kam und mich sah wie ich mir meinen „Insulin-Schuss“ in den Bauch setzte, erklärte ich immer gleich im entschuldigenden Ton „Das ist nur Insulin“.  Heute sage ich „Ich bin Insulin-Junkie, und brauche meinen Schuss“. Wenn mich dann jemand entsetzt ansieht ist mir das herzlich egal. Wobei ich es mir seit November 2015 endlich leichter mache und eine schlauchlose Pumpe, die OmniPod von Ypsomed trage. Diese wird alle 3 Tage von mir gewechselt und ich kann sie an Bauch, Oberschenkel oder Rücken tragen. Somit sieht man diese gar nicht so oft und ich gebe der Pumpe mit einer Fernbedienung (PDM) die Information, wie viel Insulin ich benötige.

DM1, DM2

Die Unterschiede sind einfach erklärt. Diabetes mellitus (lat. honigsüßer Durchfluss) Typ 1 ist eine autoimmunerkrankung. Hier erkennen die körpereigenen Abwehrzellen nicht mehr, dass die insulinpoduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zum Körper gehören und vernichten sie unwiderruflich. Die Symptome sind starker Durst, dadurch vermehrte Toilettengänge (der honigsüße Durchfluss), großer Appetit bei gleichzeitigem Gewichtsverlust, schlechte Wundheilung, Haarausfall, Pilzerkrankungen der Geschlechtsorgane und Taubheit in den Extremitäten wie Zehen und Finger. Die ersten Anzeichen treten aber erst auf, wenn schon 80% der insulinproduzierenden Zellen bereits zerstört sind. Nach der Diagnose wird sofort die Therapie mit Insulin begonnen. Hier gibt es die Möglichkeit mit einem Insulinpen oder -pumpe zu arbeiten. Ich habe die ersten 7 Jahre mit dem Pen das Insulin injiziert. Aktuell mit der oben genannten Pumpe.

Diabetes mellitus Typ 2 ist sehr simpel erklärt eine Zivilisationskrankheit. Durch zu fette Ernährung und zu wenig Bewegung entsteht oft eine Insulinresistenz. Es ist aber keine Krankheit mehr die nur alte Menschen betreffen. Es wird vermehrt durch Übergewicht auch schon bei Kindern und Jugendlichen festgestellt. Gerade bei Kindern ist die Diagnose sehr schwer zu stellen, denn wer denkt sich etwas dabei, wenn ein Kind viel Durst hat oder müde ist? Viel gravierender sind hier bei einem kontinuierlich hohen Blutzucker die Folgeschäden. Besonders die Augen und Nieren sind hier betroffen. Bildlich kannst du dir das vorstellen, dass das Blut verdickt ist wie Sirup und nicht mehr den wertvollen Sauerstoff bis in die feinsten Äderchen transportieren kann. Die Folge ist, dass Zellen absterben. Die Therapie sieht bei Typ 2 Diabetikern eine strikte Diät, das Mittel Metformin (erhöht die Wirksamkeit des Insulins in Körper) und Bewegung vor. Im Idealfall auch eine Gewichtsabnahme, da viele Patienten übergewichtig sind. In manchen Fällen wird auch mit Insulin therapiert.

Diese Krankheiten sind komplett unterschiedlich und benötigen vor allem eine individuelle Therapie. Deswegen ist auch eine kontinuierliche und regelmäßige Kontrolle mit einem Diabetologe sehr wichtig. Trotzdem heißt das nicht, dass die Ärzte für mich die Entscheidungen im Alltag treffen. Ich muss jeden Tag aufs neue mich mit meiner Krankheit beschäftigen und Entscheidungen treffen. Ich habe zum Glück schnell gelernt meinen Diabetes anzunehmen und kann damit psychisch umgehen. Ich empfinde es ganz schlimm, wenn andere Diabetiker ihre Krankheit als „Diabetes-Sau“ oder was weiß ich wie betiteln. Diese Negativität lasse ich nicht in mein Leben. Vielmehr sehe ich, dass ich zB viel konsequenter und strukturierter in meinem gesamten Leben geworden bin. Versteht mich nicht falsch, ich wäre lieber gesund. Für mich ist es schon ein Traum einfach ohne nachzudenken aus meiner Wohnung  zu gehen und nicht noch die Checkliste im Kopf durchgehe (genug Insulin, genug Dextro dabei, ist mein Libre Scanner aufgeladen, ect) zu müssen. Ob ich ein so genanntes „Closed-Loop-System“ das vollautomatisch alles selber managet erleben werde, wage ich zu bezweifeln. Aber bis auf weiteres schreibe ich hier aus dem Diabetes Dschungel. Ich hoffe, ich konnte dich etwas durch diesen hindurchlotsen.

Diabetes Dschungel
Der Diabetes Dschungel

 

 

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